Lange Zeit sitzend vor dem Bildschirm zu arbeiten, kann krank machen. Nicht umsonst heißt es “Sitzen ist das neue Rauchen”. Viele Bildungsurlaube geben deshalb Beschäftigten die Möglichkeit Verantwortung für die eigene Gesundheit zu übernehmen. Wie Yoga hier helfen kann, verrät uns Yoga-Lehrerin Anja Bodenstein.

Wie wirken sich Büroarbeit und das viele Sitzen auf unseren Körper aus - gibt es zum Beispiel ganz spezielle Auffälligkeiten einer Büro-Generation?

Die gibt es tatsächlich. Also sicht- bzw. spürbare Auswirkungen unseres modernen Lebenswandels.

Wenn wir uns zum Beispiel erstmal „nur“ den Muskel- und Bewegungsapparat zuwenden, fällt auf, dass wir uns im Sitzen nach vorne orientieren, unsere Schultern ziehen wir entsprechend der Ausrichtung der Hände und Arme zu Maus, Tastatur, Smartphone, Schriftstücken vor unseren Körper oder lassen sie schlicht nach vorne fallen. Protraktion ist der schöne Fachbergriff, in dem das Wort tractare aus dem Lateinischen steckt, wie ein Traktor, der nach vorne zieht. Die Schulter- und Rückenmuskulatur wird durch mangelnde Bewegung schwächer, die Brustmuskulatur verkürzt, die Nackenmuskulatur verspannt. Ähnliches spielt sich im unteren Rücken ab, wo die Hüftbeuger vorne im Leistenbereich verkürzen und die lange Zeit ungenutzte Muskulatur im unteren Rücken ebenso wie die Gesäßmuskulatur schwächer werden. Diese Unausgewogenheit bringt unseren Körper aus dem Gleichgewicht, Verspannungen können da noch eine milde Folge sein.

Hinzu kommt nicht zu selten noch, dass wir unter Anspannung, Zeitdruck und Stress und bei mangelndem mentalem Ausgleich der Effekt verstärkt wird.

Merkst du die viele Büroarbeit von uns allen auch in deinen Yoga-Klassen? Wenn ja, wie?

All diese einseitigen Haltungen führen in Summe zu einem Ungleichgewicht in unserem Körper, das wir zumeist als erstes in Form von Verspannungen in den Schultern, im Nacken oder im Kreuz wahrnehmen. Hinzu kamen bei mir überlastete Handgelenke, wer es kennt – Kapaltunnelsyndrom. Samstage mit Kopfschmerzen, Schulterverspannungen und Kreuzschmerzen schon bei kleineren Wegen.

Der Hintergrund für die schmerzende und einschränkende Problematik sind muskuläre Dysbalancen, Verkürzungen, zu hohe Spannungszustände und schwache Muskeln.

Klingt nicht schön, fühlt sich auch nicht schön an und führt zur zweithäufigsten Krankschreibungsursache: diffuse Rückenbeschwerden, Gelenkschmerzen. Dies sind dann auch die typischen Aussagen meiner Yogaschüler:innen und ich kann aus meiner eigenen Erfahrung mitreden.

Bildungsurlaub Yoga
Anja Bodenstein lehrt Yoga und Meditation online oder im Büro – und bietet so Unternehmen gezielte Präventionsmöglichkeiten für gesunde Mitarbeiter:innen.

Wie kann Yoga helfen?

Im Yoga kräftigen, mobilisieren und entspannen wir unseren Körper und über die achtsamen Bewegungen und den Fokus auf den tiefen Atem erreichen wir ebenso eine gelassene Gedankenwelt. Gerade durch die Fokussierung auf unseren Rücken, die Wirbelsäule, die Aufrichtung und die gut ausgerichteten Gelenke, bringen wir unsere Aufmerksamkeit in eine ausgewogene Haltung und auf unsere essentiellen Bedürfnisse zurück.

Wir öffnen unseren Brustkorb, unser Atem wird tief und ruhig und unsere Schultern werden wieder weit. Die stabilisierende Rückenmuskulatur genauso wie weitere große sowie feine und bedeutsame Muskelgruppen, die im Sitzen zu kurz kommen ebenso wie die Handgelenke etwa werden gestärkt und gleichzeitig durch das Dehnen wieder elastisch und beweglich. Eine Wohltat. Und wie ich für mich erkannt habe, ein ideales Balanceinstrument zu unserem modernen Büroalltag.

Du gibst selbst Yoga-Bildungsurlaube - was vermittelst du deinen Teilnehmer:innen darin?

Mit sanften Bewegungen, die sogar einfach auf dem Stuhl möglich sind, in einer Raumecke, im Tür- oder Fensterrahmen oder am besten noch ergänzt um eine regelmäßige Yogapraxis (ein bis zweimal wöchentlich) auf der Matte zu Hause, im Büro oder in einem Studio, können wir uns alles geben, was unser Körper und unser Wohlbefinden fördert.

Dabei entsteht Raum im Körper und ebenso Entspannung im Kopf. Den Kopf durch Bewegung und einfache Entspannungstechniken frei bekommen, ist wirklich viel simpler, als wir manchmal annehmen.

Warum ist Yoga für dich ein wichtiges Bildungsurlaubsangebot?

Es ist Jahrtausende alt und gleichzeitig hat es in Überlieferungen überlebt, weil es so aktuell ist. Im Yoga schauen wir hin, übernehmen eigene Verantwortung und begeben uns so auf den Weg in eine Freiheit, die zumindest für mich ungeahnt befreiend war. Gesundheit als Basis eines ausgeglichenen Lebens ist für mich auch die Basis für alles Wissen und alle Bildung, die darauf aufbauen kann. Es ist für mich so etwas wie eine Grundhygiene.

Wenn es uns gut geht, wir uns in unserem Körper (und Geist) wohl fühlen, können wir mit Elan und Gelassenheit unseren Alltag und Job erleben, sind viel leistungsstärker und erkennen ebenso unsere eigenen Grenzen an. Das ist nicht nur schön, sondern auch nachhaltig.

Wie ist Yoga als Ausgleich zu einer sitzenden Tätigkeit in den Alltag einzubauen?

Meine Empfehlung wie Yoga als Ausgleich zum Büralltag möglich ist und in das Leben integriert werden kann, ist hier, wie für die morgendliche Hygiene etwa, Zeit zu schaffen. Es gibt so viele Möglichkeiten, etwa einen Bildungsurlaub oder ein Retreat zu besuchen, um einmal richtig einzutauchen. Ein, zweimal die Woche ein Studio zu besuchen oder auch im Personal Yoga ganz gezielt in den eigenen vier Wänden auf die persönlichen Bedürfnisse zu schauen.

Wie sieht diese nachhaltige Vorsorge, die Angebote oder Bereitschaft dazu bei deinem Arbeitgeber aus? Es lohnt sich einmal in der Personalabteilung oder direkt bei der Vorgesetzten oder dem Vorgesetzten nach der Option Yoga im Büro zu integrieren nachzufragen.

Hierzu biete ich verschiedene Einheiten, auch online und noch ein paar Argumente auf meiner Webseite an: Für Unternehmen – Anja Bodenstein (anja-bodenstein.de)

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