Das Jugendwort Gönnung ist ganz schön erwachsen, denn es ist mehr als nur eine neue Wortschöpfung – es beschreibt eine Lebenseinstellung: Tu dir etwas Gutes! Der Ursprung des Wortes ist “gönnen” – und gönnen heißt zudem auch, anderen etwas neidlos zuzugestehen, weil man der Meinung ist, dass sie oder er es braucht oder verdient hat. Und das gelingt uns in der Arbeitswelt oftmals zu selten.

Wo ich* das “Nicht-Gönnen” hautnah mitbekomme: Viele Bildungsinteressierte sorgen sich oftmals nicht nur darum, was der oder die Chef:in zu ihrem Yoga-Bildungsurlaub sagen könnte – sie sorgen sich auch, was ihre Kolleg:innen denken könnten … “Warum macht XY das denn nicht in ihrer Freizeit?” “XY will doch nur mehr Urlaub haben!” “Und ich soll jetzt die Extra-Arbeit machen?”

Wichtig ist für mich zunächst in diesem Kontext festzuhalten: Für Bildung muss man sich nicht entschuldigen – auch nicht, wenn sie Spaß macht und sich durch Gesundheit auszahlt.

Des Weitern sind für mich solche Sorgen stets eine “Red Flag” im Hinblick auf eine gesunde Arbeitskultur. Statt Misstrauen brauchen wir ein Miteinander, eine “Gönnungskultur” – in der jede:r Einzelne weiß, dass sie oder er nicht zu kurz kommen wird. Denn es gibt kein Team, ohne einander etwas zu gönnen. Kurz: Team-Arbeit statt Team-Argwohn, sollte der Anspruch sein.  

In Bezug auf Bildungsurlaub empfehle ich Unternehmen hier offen über Bildungsurlaub in der eigenen Firma zu sprechen. Wichtig ist es dabei, ermutigend zu vermitteln, dass

  1. jegliche offiziell als Bildungsurlaub anerkannte Maßnahme willkommen ist
  2. jede:r ihren/seinen Anspruch auf Bildungsurlaub wahrnehmen kann und sein eigenes Recht wahrnehmen kann
  3. nach dem Bildungsurlaub Teilnehmende nach dem Erlernten zu fragen, um Mehrwert und Inspiration für das gesamte Team zu schaffen.

Was ich sagen möchte: “Gönn dir!” und “Gönnt euch!” sind kein Widerspruch.

Zwischen Wand und Wandel: New Work in progress 

Diese Artikel, News und Kommentare haben mich in den letzten Wochen interessiert:

Schluss mit Prokrastination: 3 Tricks für mehr Freizeit und weniger Arbeitszeit (t3n

Danke für den Impuls, liebe Isabell Prophet. Der Text hat mich für diesen Newsletter an den Schreibtisch zurückgebracht. Mein Motivator-Satz: “Die Menschen denken immer, es koste sie Arbeitszeit, wenn sie ihre Aufgaben vor sich herschieben. Doch der Preis ist höher: Prokrastination kostet Lebenszeit und Lebensglück. Sie ist also zu teuer.”

4 ways to foster a workplace culture that champions mental health (Fast Company

Die Kernbotschaft des Artikels: Unternehmen müssen ihre Rolle beim Schutz der psychischen Gesundheit ihrer Mitarbeiter überdenken. Damit ihnen das gelingt, empfiehlt Julie Lee die “4Cs”: commitment, culture, care, und community. Darunter versteht sie:

  • commitment: Zunächst muss sichergestellt werden, dass ein Unternehmen und seine Führungskräfte tatsächlich verinnerlichen müssen, dass der Faktor mentale Gesundheit kein “nice to have” ist, sondern die langfristige Talententwicklung und -bindung eines Unternehmens erheblich beeinträchtigen kann.
  • culture: Arbeitgeber müssen eine Unternehmenskultur schaffen, die psychische Probleme entstigmatisiert und gleichzeitig die Suche nach Hilfe normalisiert und fördert.
  • care: Anschließend gilt es zu überlegen, welche Arten der Unterstützung am wirksamsten sind, wenn es um Prävention und Intervention geht.
  • community: Besonders von Führungskräften muss ein Gefühl der Gemeinschaft und Verbundenheit am Arbeitsplatz vorgelebt und kreiert werden.

Trotz der kurzen Erklärung der “4Cs” hält der Artikel noch Neues bereit – wie zum Beispiel: Starke Zahlen über die monetären Kosten von psychischer Erkrankungen für Unternehmen und Anregung, wie man die “4Cs” erreichen kann. Wirklich lesenswert!

NEW HIRING Report (Xing-E-Recruiting

Eines der spannendsten Ergebnisse der aktuellen Forsa-Studie für Xing-E-Recruiting ist für mich zum einen, dass 37 Prozent der befragten Arbeitnehmer:innen offen für einen Jobwechsel sind. 2021 waren es noch 32 Prozent gewesen. Und zum anderen, dass die Aussicht auf eine bessere Work-Life-Balance bei einem anderen Unternehmen, der zweithäufigst genannte Grund für einen Arbeitsplatzwechsel war (27 Prozent).

Frank Hassler, New Work-Vorstand und verantwortlich für die Geschäftsfelder Recruiting und Employer Branding, sagt: “Unternehmen müssen sich heute bei Talenten bewerben, nicht umgekehrt. Diese Machtverschiebung wird den Arbeitsmarkt nachhaltig verändern.” Deshalb müssten Unternehmen ihr Recruiting modernisieren. “Es geht nicht mehr nur um den Einsatz von Tools, sondern auch um eine stärkere Ausrichtung auf die individuellen Wünsche der Talente.”

Was ich daraus mitnehme: Bildungsurlaub gehört in Stellenanzeigen und in die Mitte der Firmenkultur, um die richtigen Talente zu finden und zu binden.

*Lara Körber, Co-Founderin von Bildungsurlauber.de

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