Dein Job stresst Dich und beeinflusst Dein Privatleben? Wir haben ein gut gelauntes und wirksames Stress-Gegenmittel: Frank Behrendt.

Er gehört zu den bekanntesten Kommunikationsberatern Deutschlands, ist Autor (“Liebe dein Leben und nicht deinen Job”) und der “Guru der Gelassenheit” – im Interview gibt er Tipps für eine gesunde Einstellung zur Arbeit und erklärt, warum Professionalität & Erholung zusammengehören.

Lieber Frank, jede/r Zweite fühlt sich laut einer Studie der Krankenkasse BKK von Burnout bedroht. Woran liegt das Deiner Meinung nach?

Aus meiner Sicht hat die Umdrehungszahl des (Arbeits)lebens im Zusammenhang mit der Digitalisierung weiter zugenommen. Viele haben das Gefühl, always-on sein zu müssen, um nichts zu verpassen.

Die ständige Erreichbarkeit und die zahlreichen Informationen, mit denen jeder einzelne von uns täglich real und digital überflutet wird, sorgt für eine hohe Belastung, die zu Erschöpfung führen kann, wenn man nicht rechtzeitig etwas dagegen unternimmt.

Zu welcher Übung oder welchem Perspektivwechsel rätst Du, um eine gesunde Einstellung zum Job zu entwickeln und Stress zu reduzieren?

Ich arbeite gerne, aber ich ziehe Grenzen, sage auch mal Nein. Das persönliche – auch gesundheitliche – Wohlergehen von meinen Herzensmenschen und von mir selbst hat immer Priorität, da bin ich sehr konsequent.

Auch als Chef war und ist es mir immer wichtig, dass es den mir anvertrauten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gut geht, auch im privaten Bereich. Unglückliche und gesundheitlich angeschlagene Arbeitskräfte können meiner Meinung nach dauerhaft keinen guten Job machen.

Ganz wichtig finde ich auch Inspiration abseits des Arbeitsalltags. Ich bin gerne mit Menschen zusammen, die nichts mit meiner Branche zu tun haben, das erweitert den Horizont. Auch Lesen, Theaterbesuche oder Kunstausstellungen empfinde ich als wunderbare Quellen, um abzuschalten und einen anderen Blick auf die Dinge zu erhalten.

Bildungsurlaub Frank Behrendt

Bildungsurlaub ist ja sehr vielfältig nutzbar - unter anderem kann man offiziell anerkannte Stressbewältigungsseminare machen. Darunter fallen auch Yoga-Kurse mit wertvollem theoretischem Input zur Burnout-Prävention. Inwieweit denkst Du, dass Arbeitnehmer/Innen von solchen Angeboten profitieren können?

Jeder Mensch, der arbeitet, braucht einen Ausgleich. Zudem empfinden und verarbeiten Menschen Stress sehr unterschiedlich. Jeder muss für sich ganz persönlich den optimalen Weg finden, der ihm guttut. Bei dem einen hilft ein Stressbewältigungsseminar, andere können beim Yoga herrlich entspannen, vielen hilft Sport.

Ganz egal was es ist, Hauptsache man beschäftigt sich mit sich selbst und deutet Stress-Signale – und die gibt es immer – dahingehend, dass sinnvolle Gegenmaßnahmen eingeleitet werden.

Auch mit anderen darüber zu reden und sich ihre individuellen Wege anzusehen hilft und inspiriert.

Du bist selbsternannter "Guru der Gelassenheit". Viele assozieren Gelassenheit auf der Arbeit auch ein Stück weit mit einer Egal-Haltung, die zu weniger Motivation, Tatkraft oder Loyalität dem Arbeitgeber gegenüber führt. Was setzt Du solch einer Annahme entgegen?

Zur Klarstellung: Ich habe mich nicht selbst zum „Guru der Gelassenheit“ ernannt, sondern die von mir sehr geschätzte Handelsblatt-Redakteurin Catrin Bialek hat mich in einem Artikel im Zusammenhang mit meinem Buch „Liebe dein Leben und NICHT deinen Job“ einmal so bezeichnet. Den Titel finde ich aber sehr charmant und originell. Mein persönlicher Ansatz ist aber überhaupt keine Egal-Haltung.

Im Gegenteil: Ich halte es für hochprofessionell, wenn man verantwortungsvoll mit der eigenen Gesundheit umgeht und sich proaktiv vor Burnout etc. schützt. Jemand der sich aus falsch verstandener Motivation, Tatkraft oder Loyalität selber krank arbeitet, nutzt schließlich mittel- und langfristig auch dem Arbeitgeber nichts.

Ich spreche immer gerne von einer gesunden Distanz, die ich zu meinem Job habe. Ich erledige ihn absolut professionell, aber ich vergesse nie, dass Erholung und Inspiration genauso wichtig sind.

Natürlich gibt es auch bei mir Phasen, wo ich für eine bestimmte Zeit mal im roten Bereich arbeite, aber das darf nicht zum Dauerzustand werden. Man kann auch beim Sport mal einen Spurt machen, aber kein Langstreckenläufer läuft die komplette Distanz im Sprint-Tempo, dann würde er nach der Hälfte zusammenklappen.

Bildungsurlaub Stressbewältigung

Letzte Frage: Wenn es im Job doch mal stressig wird - wie findest Du nach der Arbeit Abstand dazu? Gibt es da ein Ritual oder ähnliches, das für Dich funktioniert? Wir wollen einen Tipp!

Ich bin ein Typ, der sehr stark mit positiven Ankern arbeitet. Das fängt schon am Morgen an, wenn ich meinen ersten Espresso draußen auf der Terrasse trinke – gerne aus der Lieblingstasse meiner Frau mit dem Aufdruck: „Einen Scheiß muss ich.“ Da beginnt der Tag direkt mit einem breiten Grinsen und das kriege ich auch so schnell nicht mehr aus dem Gesicht.

Im Büro habe ich jede Menge Spielzeug aus meiner Kindheit auf dem Schreibtisch stehen, mein Lieblings-Matchboxauto von früher zum Beispiel. Wenn ich zwischendurch mal damit rumfahre, beame ich mich kurz in meine glückliche Kindheit zurück und schöpfe dabei positive Energie.

Mittags setze ich mich gerne mal mit einem Smoothie und einem Salat auf eine Parkbank und lese ein Buch, „Handbuch des Kriegers des Lichts“ von Paulo Coelho zum Beispiel. Das Handy schalte ich dabei aus. Das ist dann ein kleiner Wellness-Trip-To-Go, der richtig gut tut inmitten der üblichen Alltagshektik.

Abends liebe ich es, mit unserer französischen Bulldogge „Fee“ eine Runde am Rheinufer zu drehen. Das hat etwas herrlich Beruhigendes, wenn die Schiffe langsam vorbeifahren, der Hund im Sand buddelt und ich in den Himmel sehe. Dann ist aller Stress ganz weit weg.

Bildungsurlaub Frank Behrendt