Weiterbildung wird von vielen Unternehmen zu kurz gedacht – in Zeiten von zunehmendem Fachkräftemangel, steigenden Krankheitstagen aufgrund gesundheitlicher Belastungen und einem wachsenden Arbeitnehmer:innenmarkt, ist ganzheitliche Weiterbildung ein Erfolgsschlüssel, der noch viel zu oft auf versperrte Türen stößt. Warum es Zeit ist, diese aufzubrechen. 

Fachnahe Weiterbildungen machen Sinn. Fachfremde Weiterbildungen nicht. Dieser Haltung begegne ich immer wieder im Umgang mit Firmen, welche mit mir über die gesetzliche Weiterbildung via Bildungsurlaub in den Austausch treten.

Das sehe ich anders. Denn Arbeitsmarkt und Arbeitsleben haben sich geändert – genauso wie der Arbeitnehmer:innen-Anspruch an diese beiden Teile des eigenen Lebens, welche sich nicht voneinander trennen lassen: Wir alle wollen langfristig im Arbeits- und Privatleben zufrieden sein. Die klassische Vorstellung einer “Work-Life-Balance”, die impliziert, dass “Work” und “Life” zwei unterschiedliche Dinge sind – ist nicht mehr zeitgemäß.  Das Verständnis entwickelt sich eher hin zu einer „Work-Life-Beziehung“, bei der wichtig ist, dass beide Lebensbereiche in Bezug zueinander stehen, sich respektieren und sich gegenseitig den Rücken freihalten. Deshalb muss und wird bei attraktiven Arbeitgeber:innen Weiterbildung zukünftig ganzheitlicher gedacht werden.

Der Blick über den Tellerrand 

Denn Weiterbildung ist viel mehr als nur fachliche Weiterbildung – Weiterbildung kann bei Gesundheitsproblemen und persönlichen Krisen unterstützen, Motivation steigern, Unternehmenskultur verbessern und die Zufriedenheit von Menschen erhöhen. Sie kann Firmen als Employer-Branding-Faktor dienen und als Strategie, um die Fluktuation durch höhere Mitarbeiter:innenzufriedenheit zu verringern.

Um fachfremde Weiterbildung fest zu etablieren, müssen wir aber alle – Unternehmen, Kolleg:innen und wir selbst –  die Vorurteile gegenüber fachfremder Weiterbildung abbauen und den Menschen als Ganzes ins Zentrum von Weiterbildung stellen. Nur so können auch wir alle – Unternehmen, Kolleg:innen und wir selbst – langfristig von ganzheitlicher Förderung profitieren und Vorurteile zu Vorteilen ausarbeiten.

Die Benefits von 360°-Weiterbildung – drei Beispiele

  1. Der Arbeitsausfall aufgrund psychischer Erkrankungen erreichte 2021 bei DAK-Versicherten einen neuen Höchststand: 276 Fehltage je 100 Versicherte. Damit lag das Niveau um 41 Prozent über dem von vor zehn Jahren. Und auch andere Krankenkassen melden steigende Krankentage aufgrund von mentalen Leiden – und Rückenerkrankungen. Zahlen, die zeigen, dass Erfolg kein Sprint, sondern ein Marathon ist und Gesundheitsförderung nicht die alleinige Freizeitaufgabe von Arbeitnehmenden ist. → Gesundheitsprävention und Gesundheitsverbesserung können durch ganzheitliche Weiterbildung gestärkt werden. Unternehmen fördern so die Leistungskraft ihrer Mitarbeitenden.
  2. Das Wort Motivation leitet sich vom lateinischen Wort “movere” ab, welches “bewegen” bedeutet. Wenn Arbeitnehmer:innen also motiviert sind, haben sie inneren Antrieb und tragen zum Erfolg einer Firma bei. Sie handeln proaktiv und selbstbestimmt. Langfristig können Menschen jedoch nicht nur durch äußere Reize motiviert werden. → Unternehmen sollten ganzheitliche Weiterbildungsmöglichkeiten als Impulsgeber (das Wort Impuls kommt übrigens vom lateinischen “impulsus”, was „äußerer Antrieb, Stoß“ bedeutet) für intrinsische Motivation nutzen. 
  3. Nur 16 Prozent der Arbeitnehmenden in Deutschland haben laut dem Gallup “Global Workplace Report 2022” eine hohe emotionale Bindung gegenüber ihrem Unternehmen. Dabei kostet – laut der Studie – eine geringe Mitarbeiter:innenbindung die Weltwirtschaft pro Jahr rund 7,3 Billionen Euro. Unternehmen hingegen, zu denen die eigenen Beschäftigten eine Bindung empfinden, würden bis zu 23 Prozent mehr Profit machen. → Arbeitgeber:innen, die nicht nur fordern, sondern die ganzheitliche Weiterbildung ihrer Mitarbeitenden fördern,  zeigen individuelle Wertschätzung und steigern so die emotionale Bindung an das Unternehmen. 

Was Unternehmen tun sollten 

Es ist an der Zeit, die Perspektive zu erweitern und fachfremde Weiterbildung als die Chance für höhere Mitarbeiterzufriedenheit, Leistungsfähigkeit und Bindung ans Unternehmen zu verstehen, die sie ist. Dafür sollten Firmen:

  • ihren Mitarbeitenden zuhören und ihre Bedürfnisse kennenlernen
  • ganzheitliche Verantwortung für ihre Beschäftigten übernehmen und nachhaltig mit der “Ressource Mensch” wirtschaften
  • in Vorleistung gehen und jetzt Vertrauen schenken, um später Vorteile auszuwerten
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