27 Millionen Arbeitnehmer:innen stehen in Deutschland jährlich fünf Tage Extraurlaub für die eigene Weiterbildung zu – von Yoga, Sprachreisen bis hin zu Burnout-Prävention. Dieses Gesetz nennt sich “Bildungsurlaub” – in Anspruch nehmen es allerdings nur knapp zwei Prozent der Beschäftigten. Viele, weil sie ihr Recht gar nicht kennen. Viele aber auch aus Angst vor Ablehnung durch den oder die Arbeitgeber:in. Zurecht? Umfrageergebnisse zeigen: Nutzungsquoten von fast 60 Prozent stehen oftmals keiner aktiven Förderung gegenüber. Welche Konzerne fördern die Weiterbildung via Bildungsurlaub? 

Die Umfrageergebnisse: so weiterbildungsfreundlich ist Deutschlands DAX 40

14 DAX-Konzerne haben an der Umfrage teilgenommen: Allianz, Continental, Covestro, Deutsche Börse, Deutsche Telekom, HeidelbergCement, Infineon, Merck, RWE, Sartorius, Siemens Energy, Symrise, Volkswagen und Vonovia.

Befragt wurden die Unternehmen vom Startup Bildungsurlauber.de, welches die erste bundesweite Buchungs- und Aufklärungsplattform für gesetzlichen Bildungsurlaub gegründet hat. Ziel war es herauszufinden, welche Rolle Bildungsurlaub in der jeweiligen Personalpolitik einnimmt. Die Ergebnisse:

  • 86 Prozent der Unternehmen geben an, ihre Mitarbeiter:innen aktiv über ihr Recht auf Bildungsurlaub aufzuklären – zumeist über das firmeneigene Intranet. 57 Prozent ermutigen darüber hinaus ihre Mitarbeiter:innen sogar aktiv Bildungsurlaub wahrzunehmen – zum Beispiel in Feedbackgesprächen oder durch den Betriebsrat.
  • 64 Prozent stehen dabei Bildungsurlaubseminaren, welche in erster Linie der Gesundheitsförderung dienen und keinen direkten inhaltlichen Zusammenhang zum Job haben, positiv gegenüber. Für den Duft- und Aromenhersteller Symrise ist Bildungsurlaub hierbei sogar ein “fester Bestandteil” ihres betrieblichen Gesundheitsmanagements. Und auch der Pharma- und Chemiekonzern Merck unterscheidet nicht zwischen Bildungsurlauben zur Gesundheitsförderungen und Bildungsurlauben zur beruflichen Weiterbildung: Denn: “[…] Die psychische und physische Gesundheit unserer Mitarbeiter ist uns sehr wichtig. […]”.
Bildungsurlaub Arbeitgeber
  • 51-60 Prozent der Belegschaft von Volkswagen hat mindestens einmal im Rahmen der Betriebszugehörigkeit Bildungsurlaub wahrgenommen. Das ist mehr als jede:r Zweite. Dazu gibt das Unternehmen an: “Diese Weiterbildungen bereichern und fördern die Beschäftigten, steigern die Arbeitszufriedenheit und erhöhen die Qualifikation der Teilnehmerinnen und Teilnehmer.”
  • 43 Prozent der Unternehmen verstehen Bildungsurlaub zudem als Tool zur langfristigen Mitarbeiterbindung. Für den Automobilzulieferer Continental sind hier Bildungsurlaub sowie die unterschiedlichen firmeninternen Angebote ein “bewährtes Mittel zur Gesundheitsprävention” – im Fokus stehen dabei die Mitarbeitenden, die durch ein breites Angebot an Fördermöglichkeiten “[…] die für sie passenden Optionen flexibel wählen [können].”
  • 50 Prozent der befragten Unternehmen ermöglichen ihren Angestellten auch in Bundesländern ohne gesetzliche Regelungen für Bildungsurlaub (Sachsen und Bayern) diesen dennoch wahrzunehmen.
Bildungsurlaub Arbeitgeber

Bildungsurlaub: Angst vorm Arbeitgeber ist unbegründet

“Die Umfrageergebnisse spiegeln wider, dass die gesundheitliche und persönliche Weiterbildung der Beschäftigten immer mehr auch als Investition in das eigene Unternehmen verstanden wird”, so Lara Körber von Bildungsurlauber.de. “Zudem setzt die New-Work-Bewegung den Fokus auf ein “lebenswertes Arbeiten” – welches Arbeitnehmer:innen zunehmend einfordern.”

Fest steht, dass Gesundheit keine reine Privatangelegenheit ist: Allein Rückenschmerzen und psychische Erkrankungen – wie Burnout – waren 2020 für über 30 Prozent der Arbeitsunfähigkeitstage aller DAK-Versicherten verantwortlich. Dabei dauerte ein psychischer Krankheitsfall 2020 durchschnittlich 39 Tage – so lange wie noch nie. Bildungsurlaub kann hier ein Tool sein, um Raum zu schaffen für eine langfristige und gesunde Zusammenarbeit. Und ist damit eine Win-win-Situation für Arbeitnehmer- und Arbeitgeber:innen.

Das Bildungsurlaub sich zudem motivierend auf die Mitarbeiter:innen auswirkt, scheint der  DAX-Konzern Merck verinnerlicht zu haben: In der Umfrage heißt es, die Weiterbildung der Mitarbeiter:innen – dazu zählt er auch Bildungsurlaub – sei “der Schlüssel zum Erreichen unserer Geschäftsziele und zu unserem Erfolg als Unternehmen […].” Gerade die räumliche Entfernung zum Arbeits- und Lebensalltag ermögliche hierbei den Mitarbeiter:innen, sich ganz auf ihre eigene Entwicklung zu konzentrieren. “[…] Das hat positive Effekte für den Mitarbeiter und auch für uns als Unternehmen, da so neue Blickwinkel eröffnet und positive Denkansätze geschaffen werden.”

“Die offene Einstellung des eigenen Arbeitgebers wird aus unserer Erfahrung von vielen Beschäftigten als Wertschätzung und entgegengebrachtes Vertrauen verstanden und mit neuem Elan und Loyalität zurückgegeben”, so Körber.

Unternehmen, die nicht an der Umfrage teilgenommen haben

Die 26 DAX-Konzerne, welche sich nicht an der Umfrage beteiligt haben, haben meist aktiv abgesagt. Ein Rückschluss daraus könnte womöglich sein, dass hier die Förderung von Bildungsurlaub nicht im Interesse der Unternehmen ist.

Zusammenfassend kann man sagen, dass es eine große Schere zwischen einer Bildungsurlaubsnutzungsquote von bis zu 60 Prozent bei Volkswagen hin zu keiner aktiven Förderung zu geben scheint. Insgesamt sollten Arbeitnehmer:innen sich jedoch verstärkt trauen Bildungsurlaub einzureichen – von den meisten Arbeitgeber:innen wird er als positiv bewertet. So oder so bleibt er auf jeden Fall ein Recht, das einem zusteht.

Bildungsurlaub und Arbeitgeber: Die Umfrageergebnisse im Einzelnen

In dieser Tabelle finden Sie alle Angaben und Statements der einzelnen DAX-Unternehmen.

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