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Nilam Farooq arbeitet mal fünf und mal 80 Stunden pro Woche. Mit dem Konzept Feierabend kann die Influencerin wenig anfangen. Stress bereiten ihr unzuverlässige Menschen.

Wie schafft man den Ausgleich zwischen Job und Leben? In der Serie “Wie machen Sie das?” erzählen Menschen, wie sie ihren Alltag organisieren. Diesmal hat die 28-jährige Schauspielerin und Videobloggerin Nilam Farooq unseren Fragebogen ausgefüllt.

Mein Job: Ich bin Schauspielerin, die auch Social Media macht. Mit meinem YouTube-Kanal bin ich bekannt geworden. Ich spiele aber schon viel länger: Mit zwölf Jahren war ich das erste Mal Komparsin und habe mir dann bald eine Kinderagentur gesucht. Mit YouTube habe ich erst viel später, mit 21, angefangen. Zum Videobloggen kam dann irgendwann noch Instagram dazu, eigentlich auch Twitter und Facebook, aber da bin ich nicht so wahnsinnig aktiv. Zurzeit darf ich viel drehen, deshalb ist Social Media etwas in den Hintergrund getreten. Gerade habe ich den Dreh zu Karoline Herfurths neuem Film Sweethearts abgeschlossen, als Nächstes steht der Dreh für eine Generationenkomödie an, Rate Your Date, in der ich die Hauptrolle spiele. Momentan liegt das Verhältnis zwischen Schauspielerei und Social Media so bei 80/20. Vor ein paar Jahren war es noch umgekehrt.

Wöchentliche Arbeitszeit: Das ist so eine Arbeitnehmerfrage! Ich habe mir als Selbständige auch noch nie feste Arbeitszeiten auferlegt. Dieser Gedanke: hier Arbeit, da Leben – das ist mir fremd. Ich bin aber natürlich in der dankbaren Situation, dass ich meine Arbeit liebe und inzwischen auch Nein sagen kann zu Jobs, vielen anderen Leuten geht das nicht so. Wie viel ich arbeite, variiert extrem: In den vergangenen Jahren habe ich Soko Leipzig gedreht und habe nach langen Tagen am Set noch Inhalte für meine Social-Media-Kanäle produziert. Da habe ich locker 80 Stunden pro Woche gearbeitet. Wenn aber gerade keine Termine anstehen und ich ein bisschen ruhiger machen möchte, habe ich auch durchaus mal eine Fünf-Stunden-Woche. Im Schnitt komme ich heute wohl so auf 30 bis 40 Stunden.

Mein idealer Morgen: Ich will vor allem so lange schlafen wie möglich. Sonst habe ich keine großen Wünsche an meinen Morgen.

“Als Videobloggerin habe ich in den ersten Jahren einen gleichförmigeren Alltag gehabt: totale Routine. Das wünsche ich mir definitiv nicht zurück.”

Mein normaler Morgen: An einem Drehtag stehe ich früh auf. Mal um sechs, mal um sieben Uhr – je nach Drehbeginn. Ich putze mir nur schnell die Zähne und packe Drehbuch und To-go-Becher ein, dann kommt schon der Fahrer, der mich ans Set bringt. Da laufe ich schon auch mal im Onesie auf – ich ziehe ja eh bald ein Kostüm an. An Tagen, an denen ich nicht drehe, schlafe ich länger. Wenn ich keinen Termin am Vormittag habe, stehe ich deshalb auch mal erst um elf auf und starte so sehr entspannt in den Tag.

Das erledige ich immer als Erstes: Ich checke meine Kalender. In Phasen, in denen ich Zeit habe für Social Media, filme ich morgens außerdem immer meine Videos, weil ich nur mit natürlichem Licht arbeite. An Drehtagen geht’s als Erstes in die Maske.

Mein Kalender: Die typische Arbeitswoche gibt es bei mir inzwischen nicht mehr: Mal bin ich am Set, mal arbeite ich viel von zu Hause, nur unterbrochen von Meetings, und zur Berlinale und zur Fashion Week steht dann vor allem Netzwerken auf den ganzen Partys an: Hallo sagen, Regisseure und Schauspielkollegen treffen, Champagner trinken, Smalltalk. Als Videobloggerin habe ich in den ersten Jahren einen gleichförmigeren Alltag gehabt: Jeden Tag habe ich ein neues Video hochgeladen. Totale Routine. Das wünsche ich mir definitiv nicht zurück. Meinen Kalender führe ich digital, weil meine Schauspiel- und meine Presseagentur meine Termine auch im Blick haben müssen. Ich bin aber eigentlich ein haptischer Mensch und liebe physische Kalender. Jedes Jahr lege ich mir mehrere neue Kalender zu und jeden von ihnen führe ich dann für ein paar Wochen äußerst liebevoll und trage alle meine Termine und To-dos ein. Dann vergesse ich den Kalender wieder und er bleibt fast unbenutzt in der Ecke liegen.

“Mich macht es wahnsinnig, wenn ich den Eindruck habe, dass Absprachen nicht ernst genommen werden.”

Mein liebster Arbeitsplatz: Meinen Text lerne ich immer an meiner Kücheninsel, auf einem Barhocker sitzend, um mich herum meine pastellfarbenen Marker und Post-its drapiert. Ansonsten arbeite ich am liebsten auf meiner Couch: Laptop auf dem Schoß, halbe Liegeposition. Sehr chillig, da kann ich zwischendurch auch mal den Fernseher anstellen. Allerdings habe ich mir für den Balkon gerade aus Paletten ein Loungebett gebaut. Vielleicht wird das noch mein neuer Lieblingsarbeitsplatz.

Mein Stressfaktor: Nichts stresst mich so sehr wie Leute, die meine Zeit verschwenden. Wenn ich nicht verstehe, warum mich jemand warten lässt, werde ich schnell pieksig. Mich macht es auch wahnsinnig, wenn ich den Eindruck habe, dass Absprachen nicht ernst genommen werden: Ich arbeite regelmäßig mit Unternehmen zusammen, erstelle kreative Konzepte für Marken und teile den Content auf meinen Social-Media-Kanälen. Oft wünschen Unternehmen sich auch ein Meet and Greet mit mir: etwas, das ich nicht gerne mache und deshalb direkt ablehne. 30 Sekunden Zeit für ein Selfie und kurz Hallo sagen – da hat doch niemand was von! Wochen später, wenn wir erneut über die Kooperation sprechen, steht das Meet and Greet trotzdem wieder zur Diskussion, obwohl ich klar gesagt habe: Mache ich nicht.

Meine Droge: Sonne

Meine Pausen: Zu Hause mache ich laut Musik an und dance durch die Wohnung – momentan höre ich dabei gerne das Album Everything is Love von The Carters. Manchmal setze ich mich auch ans Klavier. Am Set laufen die offiziellen Pausen immer gleich ab: beim Catering anstellen, essen und dann nochmal zum Auffrischen in die Maske. Etwas nervig sind die unkalkulierbaren Pausen zwischen zwei Szenen. Da weiß ich oft nicht, ob ich in zwei Minuten wieder dran bin – oder erst in ein paar Stunden. Meist quatsche ich dann einfach mit anderen Leuten aus dem Team oder ich setze mich in die Garderobe und schaue mir im Netz Videos an.

Meine Droge: Sonne. Ich brauche Sonne wirklich dringend und habe den Eindruck, dass sich ihr Fehlen noch krasser auf meine Laune auswirkt als bei anderen Menschen. Berlin im Winter ist schwierig. Wenn es irgendwie möglich ist, bin ich nicht in der Stadt, sondern verreise an einen Ort mit mehr Tageslicht.

“Zweimal habe ich mir schon spontan eine Tätowierung stechen lassen.”

h bin nicht erreichbar, wenn: … ich Zeit mit Menschen verbringe, die ich liebe. Wenn ich bei meinen Eltern bin oder mit Freunden einen Ausflug mache, packe ich manchmal – mit Ankündigung – mein Smartphone weg und bin dann mal einen Tag lang nicht zu erreichen. Ich bin auf Reisen aber nicht wochenlang offline, denn ich möchte andere nicht ewig auf eine Rückmeldung warten lassen. Das nervt mich ja schließlich selbst.

Wenn ich krank bin: Verschwinde ich ins Bett und schlafe tagelang. Bis ich wieder gesund bin.

Mein Feierabend: Oft heißt Feierabend bei mir einfach nur: Rechner zuklappen, abschminken, schlafen gehen. Ich zelebriere keinen Feierabend und ziehe auch keine klare Grenze: Ich schreibe auch spätabends im Bett noch mal einen Post für Instagram und Sekunden danach fallen mir die Augen zu. Wenn ich mal früher Schluss mache und noch Lust habe, rauszugehen, treffe ich mich abends mit Freunden auf ein Glas Wein in einer Bar oder wir setzen uns ans Wasser. Oder wir unternehmen noch was.

Ich gönne mir: Ich bin ein Adrenalinjunkie. Regelmäßig verabrede ich mich um zehn Uhr abends noch mit Freunden, dass wir jetzt noch in einen Escape Room gehen – da wird man in einen Raum eingesperrt und muss Rätsel lösen, um rauszukommen. Ich bin süchtig danach! Mittlerweile haben wir etwa 30 Räume in Berlin durchgespielt. Zweimal habe ich mir auch schon spontan eine Tätowierung stechen lassen. So bin ich zum Beispiel zu dem Tattoo in meinem Nacken gekommen: eine Waage, mein Sternzeichen. Auf Reisen gehe ich gerne Surfen – zuletzt in Israel, als ich dort einen Werbespot gedreht habe: Arbeit und Freizeit vermischen sich bei mir wirklich immer wieder.

Das sagen meine engsten Freundinnen zu meiner Work-Life-Balance: Dass ich spinne und mal Pause machen soll. Sie erinnern mich auch öfter daran, dass berufliche Reisen keine Entspannungsreisen sind, ich öfter mein Handy weglegen könnte – und dass es bei mir wenig “Life” und vor allem “Work” gibt. Sie sagen aber auch: Krass, dass du das alles hinkriegst.